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Als medizinischer Laie sieht man in der „Entzündung“ meist eine eigenständige Erkrankung. Das allerdings nicht ganz korrekt. Vielmehr versucht der Körper, durch eine komplexe Reaktionskette einen eingetretenen Schaden zu reparieren. Dieser Reparaturvorgang ist jedoch häufig mit Schmerzen verbunden, kann einen bösen Verlauf nehmen oder gravierende Folgen haben. Grund genug also, entzündlichen Prozessen besondere Aufmerksamkeit zu schenken und diese einzudämmen.

Der Begriff „Entzündung“ umschreibt sehr bildhaft die damit einher gehenden körperlichen Empfindungen und Erscheinungen. Schon den Ärzten und Gelehrten der Antike schien es, dass bei der „Inflammatio“ der Körper von einem inneren Feuer heimgesucht und unter Umständen verzehrt werde. Celsus und Galen, zwei der bekanntesten medizinischen Pioniere der römischen Kaiserzeit, beschrieben erstmals die noch heute gültigen fünf Merkmale einer entzündlichen Reaktion: Wärme, Rötung, Schwellung, Schmerz und eine gestörte Funktion. Während sie aber noch recht ungenau zu viel „feurige Körpersäfte“ am Werk sahen, weiß die heutige Medizin ziemlich exakt, was bei einer Entzündung passiert und welches Ziel der Organismus dabei verfolgt.

Ein System der Selbstheilung

Kurz gesagt, ist die Entzündung die Antwort auf eine Schädigung oder einen Reiz, den der Organismus als bedrohlich einstuft. Das kann eine Schnittverletzung ebenso sein wie Hitze oder Kälte, Gifte genauso wie Blütenpollen oder ein Befall mit Viren, Bakterien oder Parasiten. Überall, wo es etwas zu reparieren oder aus dem Körper zu entfernen gilt, kann man Entzündungsvorgänge beobachten. Dabei gibt es kein Körperteil und kein Organ, das nicht von einer Entzündung betroffen sein könnte. Der Heuschnupfen ist ebenso eine Entzündungsreaktion wie die Erkältung, selbst der Sonnenbrand ist nichts anderes als eine Entzündung der Haut. Die Medizin kennzeichnet alle entzündlichen Erkrankungen mit der Endung -itis: Die Bronchitis ist also eine Entzündung der Bronchien, die Parodontitis eine Entzündung des Zahnhalteapparats.

Es wäre falsch, die Entzündung grundsätzlich als etwas Schädliches zu betrachten. Im Gegenteil: Gäbe es diesen Reparaturmechanismus nicht, wären wir nicht überlebensfähig. Wunden würden sich nicht schließen, abgestorbene Zellreste könnten nicht abtransportiert und Erreger nicht erfolgreich beseitigt werden. Jedoch gibt es bei Entzündungen häufig fehlgeleitete Prozesse, beispielsweise schmerzhafte Abszesse infolge einer eingekapselten Eiterkammer oder chronisch vor sich hin schwelende Entzündungen, wenn es dem Körper nicht gelingt, bakterielle Erreger abzuwehren oder einen Schaden zu reparieren. Bei Entzündungsprozessen wird beschädigtes Gewebe umgebaut, bei krankhaften Entwicklungen wird dagegen auch gesundes Gewebe abgebaut und „aufgelöst“. Es entstehen ausgedehnte, schwerwiegende Defekte in Häuten, Schleimhäuten, Bindegewebe und Knochen. Beim Beispiel Parodontitis etwa reagiert der Körper auf Bakterien, die sich auf der Zahnoberfläche, am Zahnfleischsaum und am Zahnhals festgesetzt haben. Im Verlauf der Entzündung wird Knochenmaterial in der Verankerung des Zahnes abgebaut, der Zahn wird locker und fällt irgendwann aus.

Verlauf und Heilung von Entzündungen

Entzündungen laufen im gesamten Körper nach dem gleichen Muster ab. Am Ort einer Schädigung alarmieren und aktivieren Entzündungs-Botenstoffe die körpereigene Immunabwehr. Die Körpertemperatur wird hochgefahren, sodass sich die Gefäße weiten und durchlässiger werden. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) gelangen nun leichter zu den Zellen des Gewebes. Im Zusammenspiel mit Fresszellen (Phagozyten) grenzen die weißen Blutkörperchen den Auslösereiz ein, vernichten Fremdkörper und beseitigen zerstörte Zellen. Vermehrte Gewebsflüssigkeit führt zur Schwellung, die über die Nervenbahnen Schmerzen auslöst. Aus abgestorbenen Abwehrzellen, Blut- und Bakterienresten entsteht Eiter. Hat die Entzündung die Schädigung erfolgreich isoliert und bekämpft, kommt es beim Heilungsprozess zur Bildung von neuem Gewebe. Die Entzündung klingt ab. Eine Entzündung kann jedoch aus dem Ruder laufen, streuen und sich flächig im Körper ausbreiten. So bergen eitrige Entzündungen die Gefahr, dass der Eiter über die Blutbahn in andere Körperbereiche gelangt, wo er wiederum lebensgefährliche Entzündungen bzw. eine Blutvergiftung auslösen kann. Chronische, also nicht ausheilende Entzündungen, haben je nach der Quelle der Schädigung charakteristische Spätfolgen: Dazu gehören z. B. Geschwüre, Zysten und Abszesse, chronische Ödeme (Wasseransammlungen), Durchblutungsstörungen und auch die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Man weiß inzwischen, dass chronische Entzündungen auch Krebserkrankungen mitverursachen können.

Bei der Behandlung von Entzündungen wird der Arzt zunächst versuchen, an den Ursachen der Entzündungsreaktion anzusetzen. Beispielsweise wird er das Blut auf Bakterien, Viren oder andere Krankheitserreger untersuchen. Ist die Ursache etwa eine bakterielle Infektion, kommen Antibiotika zum Einsatz, die die Bakterien vernichten. Speziell gegen chronische Entzündungen helfen Glukokortikoide (z. B. Cortison), die die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen hemmen. Die Symptome einer Entzündung werden durch Antiphlogistika gelindert, dazu gehören Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder nicht-steroidale Antirheumatika wie Diclofenac und Ibuprofen, die besonders bei rheumatischen Entzündungen zum Einsatz kommen.

Es gibt jedoch auch eine breite Palette von Heilpflanzen, die bekannt dafür sind, Entzündungen zu hemmen und das Immunsystem zu unterstützen, beispielsweise Kamille, Arnika, Blutwurz, Ockshornklee, Ingwer, Lindenblüten, Ringelblume, Teufelskralle, Weidenrinde, Borretschsamen, Goldrute, Teebaum oder der Sonnenhut. Ebenso können immunmodulierende Enzyme, Vitamine oder Mineralstoffe dazu beitragen, schwelende Entzündungen zu lindern.

Beispiel Blasenentzündung – Was hilft?

Die Blasenentzündung ist ein typisches Beispiel für eine bakterielle Infektion. Der Auslöser ist das körpereigene Darmbakterium Escherichia coli, das sich in der Blasenschleimhaut einnistet. Durch die Entzündungsreaktion versucht der Körper, den Erreger zu bekämpfen, was ihm meist, aber nicht immer gelingt. Die übliche ärztliche Maßnahme ist die Gabe eines Antibiotikums gegen das Bakterium. Doch auch in diesem Fall stellen Heilpflanzen eine wertvolle Unterstützung dar: Tees oder Fertigpräparate mit Bärentraube, Birkenblättern, Brennnessel, Goldrute, Katzenbart und Schachtelhalm spülen die Blase durch und hemmen die Entzündung. Und die Cranberry, die amerikanische Preiselbeere, hat sogar die Fähigkeit, die Bakterien am Einnisten zu hindern – wodurch das ursächliche Übel beseitigt wird!

Bild: Alex Bramwell

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