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,,Was, Sie hatten noch kein Burnout? Sie sollten sich was schämen!" Das hört sich an wie Satire, ist aber von der Arbeitswirklichkeit hierzulande nicht weit entfernt.

Schuften bis über die Schmerzgrenze hinaus gehört absolut zum guten Ton. Glücklicher sind aber immer noch die, die das Arbeiten mit einem persönlichen Spaßfaktor verbinden und sich nicht um überzogene Leistungsimperative scheren.

Man hört es immer öfter, dieses spöttische Lachen, wenn man seinem telefonischen Gesprächspartner ankündigt, mal eine Stunde außer Haus zu sein, um einen Happen zu essen und sich ein bisschen Erholung zu gönnen. ,,Mittagspause?" höhnt die Stimme aus dem Hörer, ,,ja, gibt's denn bei Ihnen sowas noch?" Es soll auch vorkommen, dass eine alleinerziehende Mutter, die pünktlich um 17 Uhr Feierabend macht, um ihr Kind aus der Krippe zu holen, sich den Spruch anhören muss: ,,So, arbeitet man neuerdings halbtags?"

Schuften, bis der Arzt kommt

Das sind einige durchaus charakteristische Beispiele aus dem heutigen deutschen Arbeitsalltag. Ein Alltag, aus dem die Menschlichkeit schwindet, je stärker die Leistungszwänge zunehmen. Immer mehr Arbeitsaufträge, immer kürzere Deadlines, ständige Erreichbarkeit auch privat via E-Mail, Handy und Tablet, Wegfall des freien Wochenendes - kurz: Malochen, bis der Arzt kommt. Und immer häufiger muss er tatsächlich kommen. Die Zahl der stressbedingten Erkrankungen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die ruinierte Gesundheit wird in Kauf genommen für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter, der Herzinfarkt gilt gewissermaßen als ,,Ritterkreuz der Leistungsgesellschaft".

Normalerweise würde man eine Erwerbsarbeit, die den Beschäftigten zwingt, sich bis zur physischen und psychischen Erschöpfung zu verausgaben, als krankhaft bezeichnen. In deutschen Büros, IT-Workplaces oder auch OP-Sälen gilt das Arbeitsethos des fanatischen Workaholics jedoch als die Leistungsnorm, die für alle verbindlich ist. Der schüchterne Hinweis auf die Existenz eines Privatlebens, das man neben der Arbeit auch noch gerne mal pflegen würde, wird als irrelevant weggewischt. ,,Erst der Job, dann das Vergnügen!" Doch viele sind so erschöpft, dass selbst das Privatleben kein Fünkchen Vergnügen mehr abwirft. Spätestens dann wird es Zeit, über Alternativen nachzudenken.

Aussteigen oder ,,downshiften"

Es gibt viele Beispiele, von Prominenten wie von ganz normalen Berufstätigen, die ihren bisherigen Job an den Nagel gehängt haben, um ganz woanders neu anzufangen. Früher fasste man sie unter den Begriff ,,Aussteiger", heute ist der neudeutsche Begriff ,,Downshifting" populär geworden. Das Ziel ihrer Wünsche ist ein Leben jenseits des Leistungswahns, ein Leben, das neben der Arbeit genügend Raum zur privaten Selbstverwirklichung bietet oder welches die innere Berufung zum Beruf macht und so mit Sinn und Befriedigung füllt. Zugrunde liegt die Erkenntnis, dass das Plus an Geld und Macht, das man durch den Karriereaufstieg erwirbt, in vielen Fällen nicht zu einem ebensolchen Zuwachs an Lebensqualität führt. Schließlich ist Geld als solches wertlos, wenn es nicht einen Gewinn an Lebenszufriedenheit für einen selbst oder für die eigene Familie mit sich bringt.

,,Ich bin dann mal weg" heißt es dann frei nach Hape Kerkeling, auch einem prominenten Sinnsucher. Der Chefkreative bei einer großen Werbeagentur, der nach seinem Ausstieg zum Schriftsteller mutiert, der Marketingleiter eines Industriekonzerns, der lieber als Berufsberater arbeitet, der Top-Banker, der einen Bauernhof erwirbt, um Ziegenkäse zu produzieren - auch wenn sie weniger Geld verdienen als zuvor, erscheint ihnen ihr Leben erfüllter und weniger fremdbestimmt. Allerdings muss ,,downshiften" nicht notwendigerweise heißen, das alte Berufsfeld ganz zu verlassen. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, das Leben neu auszurichten. Beispielsweise kann man von einer Vollzeit- auf eine Teilzeitbeschäftigung umsteigen oder auch eine Beförderung, die voraussichtlich mit mehr Arbeits- und Zeitdruck verbunden ist, ausschlagen. Zwar muss man dann damit rechnen, dass einem von einem Teil der Kollegenschaft blankes Unverständnis und Spott entgegenschlägt, bei anderen erntet man aber vermutlich durchaus Anerkennung. ,,Eigentlich machst du es genau richtig", werden einige sagen.

Aussteigen oder das Leben ,,herunterfahren" kann aber auch bedeuten, sich eine zeitweilige Auszeit zu nehmen, um zu sich selbst zu finden, zu reisen, zu wandern (wie auf dem berühmten Jakobsweg), den Konsum einzuschränken und bewusst einfach zu leben oder aber in der Freizeit ehrenamtlich tätig zu werden und damit anderen Menschen zu helfen. Mit all dem finden Menschen für sich persönlich einen Sinn, der sie über die materialistische Welt voller Gier und Statusdenken hinaushebt. Und mal ganz ehrlich, was soll daran vernünftig sein, seine Lebenszeit gegen Geld einzutauschen, um Dinge in seinen Besitz zu bringen, die man letztlich nicht braucht?

Arbeit - Lust oder Last?

Bildnachweis(e): Catherine Yeulet / iStockphoto - Thinkstock

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