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Stirnölguss, Massagen und ein wenig Ent-spannung – wohl jeder kennt Ayurveda als Wellnessangebot.

Doch eigentlich liefert er eine Anleitung für ein gesundes alltägliches Leben. Allem voran steht eine typgerechte Ernährung.

Ayurveda (Sanskrit = „Das Wissen vom Leben“) ist ein rund 2.000 Jahre altes traditionelles altindisches Medizinsystem zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten. Wie der Name nahelegt, beschäftigt es sich mit allen Bereichen des Lebens. Als gesund gilt ein Mensch, wenn er sich in einem harmonischen Gleichgewicht befindet. Doch wie das erreicht wird, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Denn jeder Mensch verfügt über eine andere Grundkonstitution. Diese wird bestimmt von drei Kräften, die im Körper wirken: den Doshas. Diese werden aus den fünf Elementen Luft, Feuer, Erde, Wasser und Äther gebildet, aus denen sich das Universum und der menschliche Körper zusammensetzen.

Vata steht für das Bewegungsprinzip (Beweglichkeit von Körper und Geist), Pitta für Feuer und Umsetzungskraft (Verdauung, Enzyme), Kapha für Stabilität und Festigkeit (Knochen und Lymphe). In jedem Menschen dominieren ein oder zwei dieser Kräfte und bestimmen seine körperliche Erscheinung und die Persönlichkeit: Welche Statur er hat, ob er schnell friert oder Kälte mag, warme Speisen bevorzugt, wie er auf Stress reagiert und wo seine gesundheitlichen Problemzonen liegen. Es ist wie beim Sport: Für den einen ist Auspowern genau das richtige, während es anderen nicht bekommt. Alles, was der Mensch nun aufnimmt – Nahrung, schlechte Gewohnheiten, Stress – beeinflusst dieses Gefüge. Gerät es aus dem Gleichgewicht, liegt eine Störung vor, die sich irgendwann zu einer Krankheit entwickeln kann. Dies zu verhindern, ist eine der Hauptaufgaben des Ayurveda. „80 Prozent der Lehre richtet sich auf die Gesundheitsfürsorge, nur 20 Prozent beschäftigt sich mit Heilung“, sagt Kerstin Rosenberg, Leiterin der Europäischen Akademie für Ayurveda.

Gesundheit geht durch den Bauch

Eine Schlüsselposition nimmt die Ernährung ein. Immerhin gelten 40 Prozent aller Erkrankungen als ernährungsbedingt und könnten dem Ayurveda zufolge allein durch eine bessere Ernährung und Lebensweise behandelt werden. Weitere 40 Prozent benötigen zusätzlich Kräuter und spezielle ayurvedische Verfahren, 20 Prozent sind schwer beziehungsweise bestenfalls komplementärmedizinisch behandelbar. Dazu zählen z. B. Krebserkrankungen, bei denen Ayurveda helfen kann, die Nebenwirkungen der Therapie zu reduzieren.

Kern einer ayurvedischen Gesundheits- und Ernährungsberatung ist deshalb die Abstimmung der Ernährung auf den jeweiligen Konstitutionstypen. Denn diese unterscheiden sich in Stoffwechsel, Lebensgewohnheiten und ihrem Hang zu Beschwerden. Kerstin Rosenberg erklärt, warum pauschale Tipps nicht zum gewünschten Ziel führen. „Nehmen wir zwei Klienten mit dem gleichen Problem. Beide haben Übergewicht, was aus ayurvedischer Sicht eine Kapha-Störung ist, und möchten gern abnehmen. Der eine ist ein Vata-Mensch, der durch einen sprunghaften Stoffwechsel zu einer unregelmäßigen Verdauung, Blähungen und der Ansammlung von Bauchfett neigt, allerdings auch leicht abnimmt und sein Gewicht halten kann. Bei ihm gilt es, eine Unausgeglichenheit von Vata und Kapha zu behandeln. Der andere hat eine Kapha-Konstitution. Diese Menschen kämpfen häufig mit ihrem Gewicht, sie sind eben von Natur aus kräftiger, ein dauerhafter und radikaler Gewichtsverlust ist kaum möglich. Also steht bei ihm im Vordergrund, welches Abnehmziel überhaupt realistisch ist und mit welchen dauerhaften Lebens- und Ernährungsumstellungen sich das erreichen lässt. Denn aus einem Bernhardiner wird eben kein Windhund.“

Eine ayurvedische Ernährungs- und Gesundheitsberatung beginnt deshalb stets mit der Bestimmung der Konstitution und deren Störungen beim Klienten. Dafür braucht es viel Erfahrung. Ein Selbsttest kann lediglich eine Tendenz liefern. Denn neben unveränderlichen Merkmalen gibt es viele Aspekte, die sich erst im Gespräch ergeben. Nicht immer stimmt das Selbstbild mit der Realität überein. „Kapha ist beispielsweise eine Eigenschaft, die nicht sonderlich beliebt ist. Würde sich der Klient selbst einschätzen, käme er oft zu anderen Ergebnissen“, erläutert die Expertin. Am Ende erhält der Klient zu ihm passende Verhaltens- und Ernährungstipps und einen Speiseplan. Wichtig ist hierbei, dass er versteht, warum er zum Beispiel warme Speisen bevorzugen sollte oder ihm bei Stress ein Ingwertee mit Zitrone gut tut. „Gut ist eine Beratung, wenn der Klient eine Idee und Motivation dafür entwickelt, etwas zu verändern. Er soll sich verstanden fühlen“, sagt die Autorin zahlreicher Ayurveda-Ratgeber.

Weitaus umfassender ist eine ayurvedische Panchakarma-Kur. Sie widmet sich der Behandlung von Erkrankungen. Das Spektrum reicht von stressbedingten Beschwerden bis hin zu chronischen Erkrankungen wie Arthrose oder Hautproblemen sowie der Rehabilitation und Therapiebegleitung bei schweren Krankheiten. Ein Wellness-Aufenthalt nur mit Stirnölguss, entspannenden Ölmassagen und Entspannungsübungen ist das nicht. So kommen neben ayurvedischen Kräutern, psychologischer Begleitung oder einem Kochkurs verschiedene Reinigungsverfahren zum Einsatz. „Ausleitende Verfahren wie das Trinken von geklärter Butter, dem Ghee, Schwitzkuren, Einläufe, Aderlass oder Schröpfen sind gewöhnungsbedürftig. Ihr Ziel ist es, die Krankheitsfaktoren zu lösen, damit die Doshas anschließend wieder ins Gleichgewicht gebracht werden können“, erläutert Kerstin Rosenberg.

Den Körper bewusst erleben

Ayurveda kann Wellness, medizinisches Angebot und für Menschen jeden Alters ein Weg zur Gesunderhaltung sein. Wichtig ist in jedem Fall ein erfahrener Therapeut oder Behandler. Immerhin sind Tipps wie abwechslungsreich essen, genügend schlafen, ausreichend bewegen und Stress reduzieren allgemeingültig – doch der Ayurveda-Therapeut beziehungswese -Mediziner liefert den Klienten Erklärungen, warum diese Regeln so wichtig sind. Nicht immer ist die Lehre des Ayurveda alltagsbezogen. Wer in Schichten arbeitet und keine Kantine hat, kann eben nicht mittags warm essen oder zur gleichen Zeit aufstehen und schlafen. „Doch am wichtigsten ist es, die Prinzipien zu verstehen und auf das eigene Leben und die vorherrschenden Bedingungen anzupassen. Immerhin sagt das Ayurveda auch, dass 75 Prozent ayurvedische Lebensweise für ein gesundes Leben ausreichend sind“, sagt die Expertin. Ayurveda ist immer eine Mischung aus individuellen Empfehlungen und einem wohlwollenden Coaching, das die Ressourcen jedes Menschen einbezieht. Kerstin Rosenberg gibt den Klienten gern einen Rat auf den Weg: „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Ihr Körper weiß, was ihm gut tut.“



Tipps für Ayurveda im Alltag

1. Nehmen Sie täglich Zeit für sich selbst.
2. Trinken Sie nach dem Aufstehen eine Tasse heißes Wasser – das reinigt von innen.
3. Machen Sie das Mittagessen zu Ihrer Hauptmahlzeit. Dann ist Agni, das Verdauungsfeuer, am stärksten.
4. Essen Sie nicht zu viel auf einmal. Der Magen sollte maximal zu zwei Dritteln gefüllt sein – das entspricht der Menge von zwei Händen.
5. Trinken Sie am Nachmittag lieber salzige Brühe oder gesüßten Gewürztee (Chai) statt Kaffee. Wenn sich Müdigkeit breit macht, braucht der Körper kein Koffein, sondern Salz und Gewürze zum Fitwerden.
6. Verwöhnen Sie sich täglich mit einem selbstgekochten Essen und nehmen Sie dies in Ruhe und entspannter Atmosphäre ein. Damit laden Sie die Batterien von Körper und Geist wieder neu auf.
7. Schlafmangel stört Vata. Die beste Zeit für die Regeration des Körpers liegt zwischen 22 Uhr und 2 Uhr. Schichtarbeiter kämpfen häufig mit einer Vata-Störung, unabhängig von ihrer Konstitution. Warme Speisen und Ruhepausen nach dem Essen helfen, das Dosha auszubalancieren.

Welcher Typ bin ich?

Jedes Dosha ist für bestimmte physische und psychische Eigenschaften verantwortlich. Diese Übersicht zeigt eine Tendenz, welches Dosha vorherrscht. Eine genaue Analyse kann nur ein Ayurveda-Therapeut erstellen.

Vata (Wind)
Vata-Menschen sind bewegungsfreudig, haben viele Gedanken im Kopf, sind wechselhaft, kreativ, haben eine schlanke, drahtige Figur und frieren leicht.
Zu viel Vata führt zu Schlaflosigkeit, Nervosität, Beschwerden des Bewegungsapparats, Konzentrationsproblemen und Ängsten.
Vata-Menschen brauchen einen festen Lebensrhythmus mit regelmäßigen Schlaf- und Essenszeiten. Warme, nährende Speisen sind ideal.

Pitta (Feuer)
Pitta-Menschen sind energiegeladen, zielstrebig, scharfsinnig und arbeiten sehr konzentriert. Sie bevorzugen Sportarten, bei denen sie sich richtig auspowern können.
Zu viel Pitta äußert sich in Magen-Darm-Problemen wie Sodbrennen und Durchfall, Hauterkrankungen, Entzündlichkeiten sowie Gereiztheit.
Für die „feurigen“ Pitta-Menschen sind kühle, rohe Speisen wohltuend. Säuernde Lebensmittel wie rotes Fleisch, Zitrusfrüchte, Essig und Scharfes sollten reduziert werden. Gegen die innere Anspannung hilft körperliche Betätigung bei Sport, Haus- und Gartenarbeit.

Kapha (Erde)
Kapha-Menschen sind beständig, gutmütig und ausdauernd, ein Fels in der Brandung. Sie sind eher kräftig, neigen zu Übergewicht und Schwere.
Zu viel Kapha macht träge, müde, lustlos und führt zu Depressionen, Übergewicht und dem Hang zu Atemwegs- und Erkältungskrankheiten.
Kapha-Menschen sollten bewusst essen und nicht zu viel naschen. Eine Mahlzeit sollte viel Gemüse und Hülsenfrüchte sowie wenig Getreide und Fett enthalten. Empfehlenswert sind bittere und leichte Speisen wie z. B. Chicorée sowie scharfe Gewürze. Tägliche Bewegung bei Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walken tut ihnen gut.



Ayurveda in Kürze

Nutzen: Eine aktuelle Studie an der Charité legt beispielsweise einen Nutzen bei einer Kniegelenkarthrose nahe.
Kosten: Erstkonsultation ca. 80 bis 120 Euro. Stationäre Behandlung in Deutschland um 250 Euro pro Tag. Günstiger in Indien und Sri Lanka. Abhyanga-Massage ca. 100 Euro, Öl-Stirnguss ca. 80 Euro.
Kostenträger: Selbstzahler. Einige private Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten.
Dauer: Medizinische Kur ca. zwei bis drei Wochen, Prävention-/Wellnesskur: eine Woche
Betreuung: Einzelberatungen. Gemeinsame Kurse.



Das traditionelle Ayurveda selbst ist nicht an eine bestimmte Religion oder spirituelle Methode gebunden. Heute gibt es jedoch Schulen, welche spirituelle Themen in den Mittelpunkt stellen. Am weitesten verbreitet ist das Maharishi-Ayurveda des indischen Gurus Maharishi Mahesh Yogi, welcher in den 1960er Jahren ayurvedische Inhalte mit der so genannten Transzendentalen Meditation verband.



Bildnachweis(e): Diana Taliun / iStockphoto – Thinkstock | Sveta Demidoff / iStock – Thinkstock

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