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Draußen blüht es. Die Wohnung blitzt und blinkt. Alte Klamotten sind verabschiedet. Auch anderer Ballast ist weggeworfen. Ein idealer Zeitpunkt, um fröhlich in den Frühling durchzustarten.

Und ausgerechnet jetzt fühlen wir uns energielos und abgehetzt? Dann sollten wir überlegen, wodurch wir uns selbst im Weg stehen. Genauso wie man Gegenstände aussortiert, kann man überholte Lebenshaltungen entsorgen.

Das Fühlen und Handeln wird stark durch Gedanken über uns selbst und die anderen bestimmt. So genannte Glaubenssätze beeinflussen uns, ohne dass wir es überhaupt mitbekommen. Wenn sie zu absolut sind, beeinträchtigen sie das Wohlbefinden. Doch wir können sie verändern, vorausgesetzt, wir erkennen sie. Dazu folgendes Beispiel aus einem ganz ,,normalen" Leben.

Frau Z. kränkelt seit einigen Tagen. Trotzdem hat sie sich durch die Arbeitswoche gehangelt. Am Freitagabend ist sie mit einem neuen Bekannten zu einer Party verabredet. Ihr war es unangenehm, das Date zu verschieben. Deshalb geht sie hin. Als sie am Samstag aufwacht, hat sie Fieber und rasende Kopfschmerzen. Sie würde sich am liebsten die Decke über den Kopf ziehen. Ihr Bruder ruft an. Über eine Stunde geht sie auf dessen Eheprobleme ein. Den Theaterbesuch mit einer Freundin sagt sie später notgedrungen ab. Danach plagen sie Gewissensbisse. Mit letzter Kraft schleppt sie sich in den Supermarkt, denn sie möchte ihre befreundete Nachbarin nicht darum bitten. Diese hat nämlich drei Kleinkinder.

Können wir das Verhalten von Frau Z. verstehen? Kennen wir ähnliche Situationen? Die meisten von uns dürften sich mehr oder weniger darin wiederfinden.

Kleine Entsorgungsanleitung

Im Hinterkopf vieler Menschen wohnt das Bedürfnis nach einer hohen Verbindlichkeit. Wir erwarten verlässliche Mitmenschen und streben selbst nach Zuverlässigkeit. Die Einstellung ,,Ich muss jede Verabredung einhalten" hat jedoch Schattenseiten. Wenn man sich wie Frau Z. zu Terminen zwingt, leidet das Wohlbefinden. Auch hat niemand etwas davon, dass man sich nur aus Pflichtgefühl trifft. Wenn alles zuviel wird, sollte man soziale Treffen ohne schlechtes Gewissen absagen. Es ist nicht einmal notwendig, körperlich krank zu werden. Echte Freunde und Bekannte reagieren in der Regel mit Verständnis auf eine ehrliche Absage.

Dazu kommt die Idee, immer für andere präsent sein zu wollen. Obwohl Frau Z. ahnt, welche Art von Telefonat sie erwartet, nimmt sie das Gespräch an. Viele Personen leben nach der Devise ,,Ich muss stets erreichbar sein". Durch die modernen Kommunikationsmittel hat diese Haltung in den letzten Jahren großen Aufwind bekommen - sie ist aber ebenfalls ein Kandidat fürs Aussortieren. Warum darf man sich nicht abschotten? Früher hat die Welt auch funktioniert. Bei den meisten Anrufen, Mails oder SMS ist es nicht nötig, unverzüglich zu reagieren. Jeder hat das Recht, sich Auszeiten zu gönnen. Es ist legitim, sich zu überlegen, ob man den Kontakt wünscht, bevor man sich auf die Kommunikation einlässt.

Wenn es uns schlecht geht, holen wir uns oft keine Hilfe. Frau Z. hat Bedenken, ihre Nachbarin um einen simplen Gefallen zu bitten. Dahinter steckt die Idee ,,Ich muss alles alleine schaffen und darf niemandem zur Last fallen". Aber warum? Ein wichtiger Bestandteil eines positiven Miteinanders ist die gegenseitige Unterstützung. Es kann Spaß machen, anderen im Rahmen der eigenen Möglichkeiten beizustehen. Viele Leute sind gerne hilfsbereit. Umso absurder ist es, sich niemals bedürftig zu zeigen. Sie machen sich damit das Leben grundlos schwerer. Außerdem nehmen Sie Ihren Mitmenschen die Chance, für Sie da zu sein.

Frau Z. krankt also an ihrem zu hohen Anspruch an sich selbst. Wer derartiges bei sich feststellt, sollte die Messlatte heruntersetzen, anstatt sich chronisch zu überfordern. Perfektionismus ist ein unerreichbares Ziel, das im Rahmen des mentalen Frühjahrsputzes relativiert werden sollte.

Einige Klassiker

Schädliche Einstellungen lassen sich auf irrationale Glaubenssätze zurückführen. Vor dem Weiterlesen eine Warnung an alle Perfektionisten: Die Tipps zur Veränderung sind Vorschläge, keine Forderungen!

>> Ich muss perfekt sein, sonst kann ich mich nicht akzeptieren.
Niemand ist perfekt. Der Wunsch, perfekt zu sein, ist unerfüllbar. Setzen Sie sich weniger um Druck! Wenn Sie andere mit ihren Schwächen annehmen können, warum nicht auch sich selbst? Vorschlag: Fragen Sie Ihre Freunde, welche Marotten sie an Ihnen liebenswert finden!

>> Ich muss von allen Menschen meiner Umgebung gemocht werden.
Unmöglich! Es sei denn, sie verleugnen und verbiegen sich permanent. Finden Sie jeden sympathisch? Sicherlich nicht. Umformulierungs-vorschlag: ,,Von anderen erwarte ich, dass sie mich respektvoll behandeln.Es reicht mir, wenn ich von denjenigen gemocht werde, die mir sehr viel bedeuten."

>> Alles muss so laufen, wie ich es mir vorstelle.
Leider entwickeln sich viele Dinge anders als gewünscht. Empfinden Sie dies nicht als Kränkung oder persönliche Niederlage. Tipp: Wenn Sie sich über etwas ärgern oder wenn Sie über etwas enttäuscht sind, stellen Sie sich vor, was Sie in einem Jahr darüber denken würden!

>> Anstatt Schwierigkeiten anzugehen, sitze ich sie lieber aus.
Funktioniert so leider nicht! Offene Auseinandersetzungen lösen Probleme. Ungeklärte Situationen lassen uns stolpern. Auch wenn es anstrengend ist: Es zahlt sich aus, Unangenehmes anzupacken!

>> Es ist sehr wichtig, was andere über mich denken oder sagen.
Warum? Die Meinung von Unbekannten sollte kein Leitfaden sein. Wer Sie nicht kennt, kann sich kein Urteil erlauben. Meistens ist man für andere unwichtiger, als man glaubt, oder schätzt deren Meinung falsch ein. Häufig zu negativ.

Buchtipp
Wir alle streben nach einem erfüllten Leben, wissen aber oft nicht, wie wir innere und äußere Barrieren loswerden können. Meistens orientieren wir uns zu viel an dem, was die anderen von uns erwarten. Ohne Fachchinesisch und in bildhafter Sprache gibt das Buch ,,Seiltänzer" von Sara Reichelt spannende Anregungen aus der psychologischen Trickkiste, wie wir uns selbst glücklicher machen können (8,00 Euro, www.sarareichelt.de).

Bildnachweis(e): Goodshoot – Thinkstock

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