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Der Sommer ist um, das Schmuddelwetter hat uns wieder. Das kann aufs Gemüt schlagen, muss aber nicht. Wer sich innerlich rechtzeitig auf Regen, Nebel und kurze Tage einstellt, kann gut gelaunt den Winter erwarten.

Der Herbst ist eine Jahreszeit mit zwei Gesichtern: Da gibt es die sonnendurchfluteten Tage, in denen die Laubwälder farbenfroh in allen Schattierungen von Gelb, Rot und Braun aufleuchten. Doch je näher der Herbst auf den Winter zuschreitet, desto mehr häufen sich die trüben, kalten, nassen und nebligen Tage. Diese Seite des Herbsts ist weniger sympathisch. Man fühlt sich unbehaglich und möchte sich am liebsten in die warme Stube verkriechen. Das Tageslicht schwindet mehr und mehr und irgendwann ist es soweit, dass man im Dunkeln zur Arbeit aufbricht und in nächtlicher Finsternis wieder nach Hause kommt.

Die Seele schaltet auf Sparflamme

Man muss kein Dichter sein, um in fallenden Blättern und feuchtgrauem Nebel Symbole für Melancholie, Trauer und Vergänglichkeit zu erblicken. Auch die kirchlichen Trauertage fallen nicht ohne Grund in die spätherbstlichen Wochen. Eine Grundstimmung von Traurigkeit ist vollkommen verständlich, bei Kerzenlicht, Klaviermusik und einer Auswahl herbstlicher Gedichte lässt sich diese Seelenlage sogar lustvoll zelebrieren. Doch es gibt nicht wenige Menschen, die sich vor dieser Phase im Jahreskreislauf regelrecht fürchten. Sie fallen mit dem Ausklang der sonnigen Monate in ein seelisches Loch. Die Leichtigkeit des Lebens weicht einer bleiernen Schwere. Immer schwerer wird das morgendliche Aufstehen und bis zum Abend will sich keine rechte Freude und auch keine Energie einstellen.

Medizinern und Psychologen ist dieses Phänomen wohlbekannt. Sie sprechen von einer „saisonal abhängigen Depression“, sehr passend mit SAD (englisch „traurig“) abgekürzt. Der einfache Grund für die Dauermelancholie: Es fällt kein Licht auf die Seele. Das Tageslicht wirkt als Signalgeber für das Wachwerden, doch wenn es so spärlich vorhanden ist wie im Herbst und Winter, bleibt der innere Weckruf aus. Im Körper findet Folgendes statt: Über den Sehnerv wird das einfallende Licht an das Gehirn weitergeleitet und dort registriert. Je nach der Lichtmenge ändert sich die Ausschüttung an Botenstoffen. Bei Lichtmangel produziert die Zirbeldrüse, ein kirschkerngroßes Nervenbündel in der Mitte des Gehirns, vermehrt das Schlafhormon Melatonin (wörtlich „Schwarzmacher“) und der Körper schaltet einen Gang zurück. Das Sparprogramm ist unser genetisches Erbe aus dem Tierreich, denn der „Winterschlaf“ hat auch bei Igeln und Murmeltieren den Sinn, den Energieverbrauch zurückzufahren, um so gut durch den entbehrungsreichen Winter zu kommen.

Leider können wir uns aber zwischen Oktober und März nicht behaglich in unserem Nest einkringeln wie die Haselmaus, denn unser Chef hält keinen Winterschlaf. In der Arbeitswelt wird jeden Tag die gleiche Leistung eingefordert. Die Lichtsensiblen unter uns, die dann nur noch mit Mühe mithalten können, leiden besonders stark unter dieser Situation.

Schokolade, Bananen und jede Menge Licht

Wer aus Erfahrung weiß, dass er bei den ersten Herbstnebeln regelmäßig Trübsal bläst, sollte sich ein paar Gegenstrategien zurechtlegen. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, diese Zeit erträglicher zu gestalten. Wozu eigentlich fast alle Menschen im Herbst und Winter neigen, ist viel fetter und süßer zu essen. Einer der Gründe ist, dass Süßigkeiten den Serotoninspiegel ansteigen lassen. Serotonin ist ein stimmungsaufhellender Botenstoff und damit gewissermaßen der Gegenspieler des müde machenden Melatonins. Lebkuchen, Plätzchen und Schoko-Nikoläuse machen also tatsächlich glücklich. Nur leider wird sich die Depression dann im Frühjahr einstellen, wenn die Kleider nicht mehr passen. Als Erste-Hilfe-Maßnahme, wenn der Himmel einmal gar zu grau ist, ist eine Tafel Schokolade trotzdem nicht ganz verkehrt. Denselben Effekt, aber mit weniger Kalorien, haben übrigens Bananen. Überhaupt ist es sinnvoll, im Winter viel Obst und auch Gemüse zu sich zu nehmen, denn die Vitamine und Mineralstoffe bringen Körper und Seele auf Trab. Wonach die Seele am meisten lechzt und was sie am dringendsten braucht, ist allerdings das Licht. Deshalb: So oft wie möglich bei Tageslicht hinaus an die frische Luft. Jede Mittagspause und jeden freien Tag kann man nutzen, um Licht zu tanken. 10.000 Lux sind nötig, das entspricht einer Lichtdusche von einer halben Stunde täglich – von da an zeigt eine Lichttherapie Wirkung. Die gleiche Wirkung erzielt auch eine Tageslichtlampe, die es im Handel zu kaufen gibt. Diese sollte man täglich eine viertel bis eine halbe Stunde anwenden.

Auch viele soziale Kontakte fördern die gute Laune. Gerade dann, wenn man sich lieber zurückziehen und einigeln möchte, ist das Gegenteil richtig. Ein guter Tipp für Herbst und Winter: Rufen Sie Bekannte und Freunde an, die Sie schon länger nicht mehr getroffen haben, verabreden Sie sich zum Kinobesuch oder zu gemeinsamem Sport. Je häufiger man mit anderen unterwegs ist, desto seltener wird das herbstliche Tief sich bemerkbar machen. Und schließlich: Warum nicht mal im Spätherbst Urlaub machen – auf die Kanaren, nach Madeira oder nach Ägypten, wo es noch schön sonnig und warm ist. Dort kann man das Licht genießen und die trübe Zeit verkürzen. Wer dennoch den Blues nicht verjagen kann, dem hilft vielleicht der Wirkstoff einer Heilpflanze: Johanniskraut übt gleich auf drei wichtige Botenstoffe im Gehirn – Serotonin, Noradrenalin und Dopamin – eine positive Wirkung aus. Das Johanniskraut-Präparat muss allerdings hoch dosiert sein, dann zeigen sich nach etwa drei Wochen Anzeichen einer Besserung. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

Bildnachweis: 123RF: Dmytro Konstantynov

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